| es brennt! |
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Stell dir vor, es brennt und keiner kommt!
So oder ähnlich könnte es bald in unserer Stadt sein. Nicht die Technik und die Gerätehäuser fehlen, nein, die Menschen, die das alles nutzen, um zu helfen. Seit einiger Zeit bin ich jetzt der Gemeindewehrleiter der Stadt Bad Lausick und ihrer Ortsteile. Und seit geraumer Zeit macht sich deutlich bemerkbar, dass es immer schwieriger wird, den Brandschutz in unserer Stadt zufriedenstellend zu sichern. Dies ist kein Phänomen der Kernstadt allein, nein es ist auch in den Ortsteilen so. Der Brandschutz stimmt, es passiert ja nichts. Alles ist schön, so stellt es sich für den Außenstehenden dar. Aber wo ist die Reise in den letzten Jahren hingegangen? Die Stadt Bad Lausick organisiert und stellt die notwendige Ausrüstung, um die Aufgaben einer Feuerwehr sicherzustellen. Natürlich sind noch Wünsche offen und könnte der Ausrüstungsgrad besser sein. Aber ich will nicht unzufrieden sein, die Aufgaben können erst einmal gelöst werden. Man kann nur das investieren, was in der Kasse ist, das weiß ich. Neidisch auf die Nachbargemeinden schauen, das bringt uns nicht voran. Mit Weitblick und strategie agieren, das ist angesagt. Aber wo sind die Kameraden? Tagsüber darf es nicht zu einer größeren Schadenslage kommen. Schon ein kleiner Sturm bringt uns an die Grenze des Machbaren. Es sind zu wenig Kameraden da. Hat Bad Lausick keine Freiwilligen mehr? Anscheinend nicht. Wahrscheinlich fliegen alle am frühen Morgen aus und kommen spät abends heim. Soweit so gut, jeder muss sich um Arbeit kümmern, die Arbeit kommt nicht mehr nachhause. Aber es sind auch Firmen in der Stadt, es gibt einen Bauhof, es sind auch tätige Bürger zuhause. Als ich in die Feuerwehr eintrat, musste ich warten, bis ein Spind frei wurde. Heute sind in jeder Feuerwehr Spinde frei, aber es sind keine Bürger oder Bürgerinnen da, die diese Spinde nutzen. Schade. Nichts ist schöner, als anderen uneigennützig zu helfen. Nichts ist schöner, als in dankbare Augen zu schauen und zu wissen, das hast du gut gemacht. Warum Kommt aber keiner in die Feuerwehr? Liegt es nur an der fehlenden Lust oder an der zunehmenden Abkühlung der Gesellschaft und des Zusammenlebens. Sind wir schon an dem Punkt, dass jeder sich nur noch um seiner selbst kümmert? Kann man es darauf schieben, das die Ausrüstung und die Technik nicht das Neuste sind? Sind es Befindlichkeiten im Zusammenhang mit Kameraden der Wehren? Ich habe keine Antwort. Zunehmend ist aber auch zu vermerken, dass die Arbeit und der Einsatz der Feuerwehrkameraden in Misskredit gezogen wird. Mal sind wir zu laut, mal stören wir mit der Ausbildung die Mittagspause. Schon das Laus´fen der Motoren und Aggregate nervt. Das Verständnis für die notwendige Ausbildung sinkt immer mehr. Wasserspritzen und rumstehen, so sieht man uns. Kann man aber unsere Arbeit als Außenstehender immer richtig einschätzen? Ich bin froh, dass es noch Verrückte gibt, die sich ausbilden lassen. Ich bin froh, dass es noch Bad Lausicker Bürger gibt, die ihre Freizeit opfern, um anderen zu helfen. Ich bin froh, dass es noch Kameraden gibt, die mit dem Ertönen der Sirene oder des Piepsers wissen, dass sie ihr Leben riskieren, um anderen zu retten. Und ich weiß, dass wir Kameraden auch denen helfen, die heute skeptisch auf die Ausbildung der Feuerwehr und deren Treiben in der Stadt schauen. Ich weiß aber auch, dass es schön ist, nach dem ganzen Stress der Ausbildung gemeinsam noch zusammenzusitzen und ein Bier oder etwas anderes zu trinken. Gemeinsamkeit, einer für alle und alle für einen, das zeichnet unsere Feuerwehr aus. Ich wünsche mir, dass endlich wieder Bürger und Bürgerinnen den Weg zur Feuerwehr finden und damit auch wieder ein Stück dazu beitragen, dass das Gemeinwessen besser wird. Ich wünsche mir, dass es wieder Zeiten gibt, in der man auf einen leeren Spind warten muss. Ich wünsche mir, dass Gelder für Faltblätter und Werbeplakate besser in die Ausrüstung der Feuerwehren investiert wird. Ich wünsche mir, dass die Politik wieder die Feuerwehren und die Kameraden unterstützt und nicht nur Worthülsen produziert. Ich wünsche mir wieder mehr Anerkennung unserer Tätigkeit. Ich wünsche mir, dass alle wieder zu uns zurückfinden, die in den letzten Jahren aus unterschiedlichsten Gründen unsere Reihen verleißen. Ich danke allen Kameraden für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit sowie allen Bürgern und Firmen, die uns unterstützen und dankbar respektieren. Und ich verskichere unseren Bürgern, wir werden auch weiterhin alles dafür tun, dass Sie ruhig schlafen können.
Und ich wünsche mir, dass es ins Zukunft weiterhin heißt: Stell dir vor, es brennt und die Feuerwehr kommt.
Barczynski Gemeindewehrleiter der Stadt Bad Lausick
"Mitteilungsblatt der Stadt Bad Lausick mit den Ortsteilen vom 27.07.2011" Nr. 15/2011
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